Frauen in Leitungsfunktionen an Mittel-und Berufsfachschulen

In der Schweiz besteht eine grosse Untervertretung von Frauen in Führungspositionen in Schulen der Sekundarstufe II. Der Frauenanteil bei der Gesamtleitung von Schulen auf der Sekundarstufe II beträgt ca. 14%. Da es keine Dokumentationen bezüglich dieses Themas gab, wurde 2012 zusammen mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Bern eine qualitative Studie in Auftrag gegeben und eine Datenbasis geschaffen. Sie untersucht, wie das Potential und die Talente von Lehrerinnen vermehrt zum Tragen kommen können und sie zeigt Ursachen und Handlungsmöglichkeiten auf. Es fehlt unter anderem an Modellen (role models), an Einblicken in die Schulleitungstätigkeiten und an Gelegenheiten zum Austausch.

Mehrere Treffen mit ca. 60 interessierten Frauen zu diesem Thema im Jahr 2013 haben aufgezeigt, dass Massnahmen zur Stärkung der persönlichen Kompetenzen (Mentoring und Vernetzung) den Bedürfnissen entsprechen. In Anlehnung an ein erfolgreiches Mentoringprogramm in Hamburg entwickelten wir das AMELIA-Mentoringprojekt.

AMELIA–Mentoringprojekt

Das Pilotprojekt wurde 2015/2016 erstmals in der Deutschschweiz durchgeführt. Ein zweiter Durchgang findet 2016/2017 statt. Nebst dem Mittel-und Berufsschulamt des Kantons Bern unterstützt auch das Eidgenössische Büro für Gleichstellung dieses Angebot. Zusätzlich wurden im Jahr 2016 auch drei Kaderkurse zu folgenden Themen ausgeschrieben: Frauen in der Führung, Intervision und Kommunikation.

Funktion, Ablauf und Inhalte des Mentoringprojektes

Das AMELIA-Mentoringprojekt verbindet individuelles Mentoring mit fachlichen Weiterbildungen und Vernetzungsanlässen. Das Mentoring erfolgt im Zweierteam und besteht aus einer Mentee (der Co-Pilotin) und einem erfahrenen Mentoren oder einer Mentorin (den Piloten). Die Teilnehmerinnen profitieren von der Praxiserfahrung aktueller Schulleitungsmitglieder, nehmen an interkantonalen Informations-, Austausch- und Vernetzungsanlässen teil und erhalten in drei Weiterbildungsmodulen insgesamt viereinhalb Tage Inputs zu relevanten Themen.

«Das AMELIA-Mentoringprojekt ist ein Weg, wie man sich auf das Thema Führung auf der Sekundarstufe II gut vorbereiten kann. Ich fand den Austausch mit anderen Frauen auf dem Sprung in Führungspositionen ebenso wertvoll wie das persönliche Mentoring.»
Andrea Iseli, Rektorin Gymnasium Interlaken, Mentee/Teilnehmerin am ersten Durchgang 2015/2016

Folgende Zielsetzungen werden verfolgt: Die Teilnehmerinnen

werden in ihrer Absicht, Führungsverantwortung zu übernehmen, gestärkt;

werden dazu motiviert, sich für Führungsaufgaben zu bewerben;

erhalten vertiefte Einblicke in die Tätigkeitsfelder und Funktionsweise von Schulleitungen;

erhalten Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten mit anderen Lehrerinnen (interkantonal);

werden durch erfahrene Schulleitungsmitglieder begleitet und profitieren von deren Fachwissen.

Zudem sollen die Schulleitungen auf der Sekundarstufe II sowie die Mittelschul- und Berufsschulämter für dieses Thema sensibilisiert werden.

Nach der Auswertung des ersten Durchgangs kann festgehalten werden: Die Teilnehmerinnen haben in mindestens vier der oben aufgeführten Punkten profitiert, und es wurden während des ersten Durchgangs neun Bewerbungen für Schulleitungsposten (Konrektorat und Rektorat) eingereicht.

Schlussbericht zum 1. Durchgang 2015-2016

Das Pilotprojekt AMELIA-Mentoringprojekt ist abgeschlossen, hier folgt der Schlussbericht dazu. Das Projekt wurde in jeder Hinsicht als nützlich eingestuft, die Hauptziele wurden erreicht. Die Teilnehmerinnen fühlen sich gestärkt, besser informiert und befinden sich auch jetzt, fast ein Jahr nach Abschluss des ersten Durchgangs, in Bewerbungsprozessen.
Dieser Bericht wurde an das Eidgenössische Büro für Gleichstellung eingereicht, welches das Projekt mitfinanziert hat und auch den zweiten Durchlauf unterstützt.

Amelia Earhart (1897-1939) – eine Flugpionierin als Namensgeberin

Amelia Earhart war eine Flugpionierin, die 1928 als erste Frau mit einem erfahrenen Piloten und einem Co-Piloten von Neufundland nach England flog.

Amelia Earhart war eine prominente amerikanische Flugpionierin, die 1928 als erste Frau mit einem erfahrenen Piloten und einem Co-Piloten von Neufundland nach England flog. Ihr Alleinflug vier Jahre danach (und nur 5 Jahre nach Lindbergh) machte sie zur Nationalheldin. Amelia Earhart setzte sich schon davor – und mit dem Prestige ihrer Leistung noch viel stärker danach – mit Geschlechterrollen auseinander und unterstützte Frauen bei der aktiven Gestaltung ihrer beruflichen Laufbahn. Dies ist auch unser Ziel, und deshalb haben wir Amelia Earhart zur Namensgeberin unseres Projekts gewählt. Biographie von Amelia Earhart (englisch).

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Rebekka Marti

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